Schulangst bei Kindern zeigt sich selten nur als Angst vor der Schule. Ich war kürzlich zu Gast bei Radio Alpenwelle, im „Alpenglühen“ mit Moderator Christoph Götz. Wir haben über ein Thema gesprochen, das gerade rund um die Zeugniszeit so vielen Familien unter den Nägeln brennt: Schulangst, Zeugnisdruck und Überforderung bei Kindern. Und natürlich über HPU – die Stoffwechselbesonderheit, die so vieles erklären kann, was Eltern ratlos zurücklässt.
🎙️ Das ganze Gespräch kannst du hier direkt anhören:
Radio Alpenwelle – Alpenglühen mit Christoph Götz
Es ist Mittag. Dein Kind kommt aus der Schule nach Hause. Du hast gekocht, alles steht bereit. Und dann liegt die Kartoffel irgendwie falsch auf dem Teller. Und es gibt einen Aufstand, der in keinem Verhältnis zu einer Kartoffel steht.
Vielleicht kommt dir das aus dem Alltag so oder so ähnlich auch bekannt vor?
Ich erlebe solche Schilderungen in meiner Praxis fast täglich. Und ich sage Eltern dann immer: Das ist kein Drama-Kind. Das ist ein Kind, dessen Nervensystem schon seit dem Vormittag auf Anschlag läuft. Die Kartoffel war nur der letzte Tropfen.
Gerade in den Wochen vor Zeugnissen verdichtet sich das noch einmal. Schulangst bei Kindern beginnt oft genau hier. Nicht nur für die Kinder, auch für uns Eltern. Zeugnisse wirken wie ein Brennglas: Alles, was sich über Wochen aufgestaut hat, läuft hier zusammen. Und plötzlich geht es gar nicht mehr nur um die Note, sondern darum, ob das eigene Kind „reicht“. Oft triggert das sogar die eigene Schulzeit mit an, ohne dass wir es merken.
Ich bin seit 20 Jahren Heilpraktikerin, spezialisiert auf Kinder und Familien. Und ich beobachte: Es wird mehr, nicht weniger. Mehr Druck, mehr Kinder, deren Körper und Nervensystem schlicht nicht mehr mitkommen.
3 Signale, die zeigen: hier steckt mehr dahinter als schlechte Laune
Wenn Familien zu mir kommen und berichten, ihr Kind sei „schwierig“ oder „überempfindlich“, und oft steckt dahinter Schulangst bei Kindern, die niemand als solche erkannt hat…, frage ich zuerst nach den folgenden drei Dingen. Vielleicht erkennst du das eine oder andere wieder.
1. Die Reaktion passt nicht zur Situation.
Ein Kind, das nach der Schule wegen einer Kleinigkeit völlig ausrastet, drückt damit meistens aus, dass sich am Vormittag Stress angesammelt hat, der keinen anderen Weg nach draußen gefunden hat. Das ist kein Trotz. Das ist ein überfülltes System, das endlich Luft ablässt.
2. Der Körper meldet sich.
Bauchschmerzen ohne Virus. Kopfschmerzen, die montags oder sonntags abends kommen. Rückzug, Lustlosigkeit, keine Lust auf Verabredungen mehr. Wenn der Körper über längere Zeit unter Dauerstress steht, sucht er sich einen Weg, das sichtbar zu machen. Diese Signale verdienen unsere Aufmerksamkeit, kein Abtun.
3. In der Schule Blackout, zu Hause klappt es.
Das ist für viele Eltern besonders frustrierend: Das Kind kann den Stoff, aber sitzt in der Klassenarbeit wie eingefroren. Das ist keine Faulheit und kein Unwillen. Ein Nervensystem im Alarmmodus kann sich nicht gleichzeitig auf Lernen und Entspannen einstellen. Konzentration braucht Sicherheit. Und die fehlt, wenn der Körper permanent im Stressmodus läuft.
Schulangst bei Kindern und was wirklich dahintersteckt
Die klassische Erklärung von Schulangst dreht sich um Leistungsdruck, Mobbing, soziale Konflikte, Trennungsangst. All das stimmt. All das spielt eine Rolle. Aber es gibt eine Ebene, die in dieser Diskussion fast immer fehlt: die körperliche.
Schulangst ist aus meiner Erfahrung selten einfach nur Angst vor der Schule. Oft ist es die Angst vor dem, was dort passiert: Bewertung, Überforderung, Kontrollverlust. Aber damit ein Kind mit diesen Situationen umgehen kann, braucht es ein Nervensystem, das dazu in der Lage ist, herunterzufahren, sich zu regulieren, wieder zur Ruhe zu kommen.
Und genau das ist der Punkt, der mich als Heilpraktikerin so beschäftigt – und der mich nach all den Jahren immer noch antreibt.
Ein Nervensystem kann nur dann entspannen, wenn der Körper die richtigen Bausteine dafür hat. Konkret: Botenstoffe (Neurotransmitter), die uns beruhigen, fokussieren und schlafen lassen, werden aus Mikronährstoffen hergestellt. Wenn B-Vitamine, Magnesium oder Eisen fehlen, fehlt dem Körper buchstäblich das Werkzeug, um runterzukommen.
Das bedeutet: Du kannst mit einem Kind noch so viele Atemübungen und Entspannungsrituale ausprobieren. Wenn die Bausteine fehlen, verpufft das. Ich sage nicht, dass Psychologie oder Therapie nicht helfen. Ich sage: Beides kann nur dann wirklich greifen, wenn zuerst die körperliche Basis stimmt.
Wenn dich das Thema Nervensystem und wie es sich regulieren lässt mehr interessiert, habe ich dazu auch einen eigenen Beitrag geschrieben:
HPU: Die Stoffwechselbesonderheit, die kaum jemand kennt und die so viel erklären kann
Im Interview hat Moderator Christoph Götz offen zugegeben, dass er vor unserem Gespräch noch nie von HPU gehört hatte.
Das erlebe ich ständig, und es macht mich jedes Mal aufs Neue deutlich, wie wichtig Aufklärung hier ist. Denn gerade bei Kindern mit Schulangst, Ängsten, Konzentrationsproblemen oder ADHS-ähnlichen Symptomen ist HPU eine der Ursachen, die ich in meiner Praxis am häufigsten finde und die vorher niemand auf dem Schirm hatte.
HPU steht für Hämopyrrollaktamurie. Ausgesprochen klingt es wie ein Zungenbrecher, deshalb bleiben wir bei HPU. Es handelt sich um eine Stoffwechselbesonderheit, bei der der Körper beim Aufbau von Häm – dem eisenhaltigen Bestandteil des roten Blutfarbstoffs – bestimmte Stoffe fehlerhaft zusammenbaut und diese dann über den Urin ausscheidet. Das klingt erst mal abstrakt, hat aber ganz konkrete Folgen im Alltag.
Erstens: Dabei gehen wichtige Mikronährstoffe wie Vitamin B6, Zink und Magnesium mit verloren. Immer und immer wieder. Das führt zu einem chronischen Mangel genau an den Stoffen, die das Nervensystem braucht.
Zweitens: Häm ist für den Sauerstofftransport im Blut zuständig. Wenn dieser Prozess ins Stocken gerät, arbeitet auch das Gehirn nicht mehr auf dem Niveau, das es eigentlich könnte.
Jetzt stell dir vor, ein Kind läuft über Monate, manchmal Jahre, mit diesen Mängeln durch den Alltag. Wie soll es sich konzentrieren? Wie soll es mit Bewertungsdruck umgehen? Genau so entsteht Schulangst bei Kindern mit HPU. Nicht aus dem Nichts, sondern aus einem Körper, dem die Grundlage fehlt. Wie soll sein Nervensystem sich nach einem stressigen Schultag wieder beruhigen?
Das Tückische an HPU: Es sieht im normalen Blutbild oft unauffällig aus. Das kleine und große Blutbild ist fast immer im grünen Bereich. Man muss tiefer schauen, spezifischere Werte betrachten, zum Beispiel Magnesium und Zink im Vollblut statt nur im Serum, oder B-Vitamine bioaktiv gemessen. Und genau das passiert in der Regelmedizin selten.
Ich begegne regelmäßig Familien, die schon bei Kinderarzt, Schulpsychologin und Therapeutin waren. Hier wurde Migräne diagnostiziert, dort Reizdarm, anderswo Schulangst. Aber niemand hatte bisher nach der Ursache gefragt: Warum reagiert dieser Körper so sensibel? Was fehlt hier?
HPU kann dieses fehlende Puzzlestück sein. Nicht bei jedem Kind. Aber bei so vielen mehr, als wir bisher ahnen.
Magst du mehr über HPU, und wie es sich bei Kindern zeigt, erfahren? Hier habe ich das ausführlich zusammengefasst:
👉 Was HPU bei Kindern bedeutet und welche Symptome typisch sind
Schulangst bei Kindern: Was Eltern jetzt konkret tun können
Ich habe im Interview drei Punkte genannt, die ich Familien gerne mitgebe. Hier sind sie, etwas ausführlicher als im Radiogespräch, weil mir das wirklich am Herzen liegt.
Erstens: Schau auf den Körper, nicht nur aufs Verhalten.
Oft ist das Kind gar nicht das Problem. Es drückt aus, dass im Körper etwas nicht stimmt. Ich wünsche mir so sehr, dass dieser Gedanke mehr Eltern erreicht, weil er so viel Druck aus der Situation nimmt. Dein Kind ist nicht schwierig. Dein Kind sendet ein Signal.
Zweitens: Nimm die Körpersignale ernst und schau über den Tellerrand.
Bauchschmerzen, Rückzug, Blackouts, emotionale Ausbrüche nach der Schule: Das sind klassische Hinweise auf Schulangst bei Kindern mit körperlichem Hintergrund. Nicht nur auf die Psyche, sondern möglicherweise auf körperliche Zusammenhänge, die sich mit spezifischeren Laborwerten zeigen, die nicht zum Standard gehören. Wenn Standarduntersuchungen nichts finden, heißt das nicht, dass alles in Ordnung ist. Es heißt manchmal nur, dass man noch nicht tief genug geschaut hat.
Drittens: Stabilität entsteht nur, wenn die Bausteine vorhanden sind.
Kein Coaching und keine Entspannungsübung kann dauerhaft wirken, wenn dem Körper die nötigen Mikronährstoffe fehlen. Der erste Schritt ist immer: Was fehlt hier? Erst wenn das beantwortet ist, können alle weiteren Schritte wirklich fruchten.
Falls HPU bei deinem Kind ein Thema sein könnte und du mehr Orientierung suchst, findest du auf meiner Website einen Fragebogen, der dir helfen kann, erste Eindrücke zu sammeln:
👉 Erste Orientierung mit dem HPU-Fragebogen
Was mich antreibt und warum mir das so am Herzen liegt
Ich bin selbst von HPU betroffen. Das habe ich im Interview erzählt, und ich tue es immer wieder gerne, weil es zeigt: Ich spreche nicht nur aus dem Lehrbuch.
Jahrelang hatte ich Mängel, ohne es zu wissen. Kaum B-Vitamine im Blut. Und ich habe mich gefragt, warum ich mich nie wirklich stabil gefühlt habe, trotz allem, was ich für meine Gesundheit getan habe. Als ich meiner HPU auf die Spur kam und anfing, gezielt damit umzugehen, hat sich das zum ersten Mal in meinem Leben verändert. Diese Stabilität von innen, diese Ruhe, die ich vorher nicht kannte, war für mich ein Wendepunkt.
Und genau das hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin: zu einer Heilpraktikerin, die sich mit ganzem Herzen für Kinder mit Schulangst einsetzt. Kinder, die immer wieder als „schwierig“ abgestempelt werden, obwohl ihr Körper einfach gerade andere Voraussetzungen hat.
Mein Buch „Jedes Kind kann strahlen“ ist aus dieser Erfahrung entstanden. Es geht um HPU, ja. Aber es geht um so viel mehr: um ein neues Verständnis davon, was Kinder brauchen, um aufzublühen. Wenn du neugierig bist, kannst du hier mehr erfahren:
👉 Mehr über das Buch „Jedes Kind kann strahlen“
Dein nächster Schritt
Wenn du beim Lesen das Gefühl hattest, dass hier vieles klingt wie das, was du gerade mit deinem Kind erlebst: Du bist damit nicht allein. Das ist vielleicht das Wichtigste, was ich dir sagen möchte.
Und wenn du dich mit anderen Eltern austauschen willst, die wissen, wie sich der Alltag mit HPU anfühlt, dann ist die HPU-Kids Community vielleicht genau das, was du gerade brauchst. Kein Programm, das du abarbeiten musst. Einfach ein ruhiger Raum zum Ankommen, Lesen, Austauschen, Verstanden werden.
Die HPU-Kids Community: ein Ort zum Ankommen
Und wer tiefer einsteigen möchte, dem empfehle ich gerne den HPU-Kids-Kurs, in dem ich alles zusammenbringe, was Familien wirklich brauchen:
👉 Tiefer einsteigen mit dem HPU-Kids-Kurs
Von Herzen,
Deine Sonja 💛
Heilpraktikerin, HPU-Expertin und Autorin von „Jedes Kind kann strahlen“




